Freitag, September 19, 2025

Was zahlt die Pflegeversicherung wirklich? – Mythen und Fakten

1. Einleitung: Wunschdenken vs. Realität

Viele Menschen glauben, die Pflegeversicherung übernehme im Ernstfall die kompletten Pflegekosten. Die Wahrheit ist ernüchternd: Die Pflegeversicherung ist nur eine Teilkasko, keine Vollversicherung. Sie deckt bestimmte Leistungen ab, lässt aber erhebliche Lücken – und die müssen Pflegebedürftige oder ihre Familien aus eigener Tasche schließen.

2. Die Grundidee der Pflegeversicherung

Seit 1995 gibt es die gesetzliche Pflegeversicherung in Deutschland. Ihr Auftrag: Pflegebedürftige finanziell unterstützen.
Doch von Anfang an war klar: Sie ist nicht für die vollständige Kostenübernahme gedacht, sondern soll nur einen Sockelbetrag beisteuern.

3. Was die Pflegeversicherung tatsächlich zahlt

Die Leistungen hängen ab von:

Pflegegrad (1–5)

Art der Versorgung (ambulant oder stationär)

Beispiele 2025:

Pflegegeld (für Angehörige): 332 € (Pflegegrad 2) bis 947 € (Pflegegrad 5) pro Monat

Pflegesachleistungen (für ambulante Dienste): 761 € (Pflegegrad 2) bis 2.200 € (Pflegegrad 5) pro Monat

Teilstationäre Tages- oder Nachtpflege: bis 1.995 € (Pflegegrad 5)

Stationäre Pflege: ein fester Zuschuss von 770 € bis 2.005 € je nach Pflegegrad

Zusätzlich gibt es:

Entlastungsbetrag: 125 € monatlich (z. B. für Betreuungsdienste, Haushaltshilfen)

Kurzzeitpflege: bis 1.774 € pro Jahr

Verhinderungspflege: bis 1.612 € pro Jahr

4. Wo die Lücken liegen

Eigenanteile im Heim: Im ersten Jahr durchschnittlich 2.871 € pro Monat – trotz Zuschuss.

Ambulante Pflege: Überschreiten die Kosten den gedeckelten Betrag, zahlt der Betroffene selbst.

Betreuung & Haushalt: Meist nicht ausreichend abgedeckt.

Regionale Unterschiede: In manchen Bundesländern deutlich höhere Eigenanteile.

5. Mythen rund um die Pflegeversicherung

❌ „Die Versicherung übernimmt alles.“ – Falsch, sie ist nur Teilkasko.

❌ „Wer ins Heim muss, hat keine Eigenanteile.“ – Falsch, durchschnittlich mehrere tausend Euro monatlich.

❌ „Pflegegeld reicht für Angehörige aus.“ – Falsch, die Beträge decken nicht mal Mindestlohn für die geleisteten Stunden.

❌ „Ambulante Pflege ist kostenlos, wenn ein Pflegedienst kommt.“ – Falsch, sobald Leistungen die Pauschale überschreiten, fallen Zusatzkosten an.

6. Fazit: Ehrlich rechnen statt schönreden

Die Pflegeversicherung hilft – aber sie trägt längst nicht alles. Wer glaubt, im Pflegefall finanziell abgesichert zu sein, wird schnell enttäuscht.
Deshalb gilt: Frühzeitig informieren, vorsorgen und ehrlich über die Kosten sprechen. Nur so können Familien vermeiden, in eine finanzielle Schieflage zu geraten.

Pflegeversicherung ist Hilfe – aber kein Rundum-Schutz.

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