Freitag, September 19, 2025

Die drohende Finanzierungslücke in der Pflegeversicherung – mit konkreten Zahlen & Fakten

1. Überblick und zentrale Kennzahlen

Ende 2024 gab es in Deutschland rund 5,6 Millionen Pflegebedürftige (Leistungsbezieher der Pflegeversicherung).
AOK
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BMG
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Gleichzeitig stiegen die Ausgaben der Pflegeversicherung bis 2024 auf ca. 68,2 Milliarden Euro.
AOK

Die Einnahmen lagen in demselben Zeitraum bei etwas unter diesem Niveau; im Jahr 2024 wurde ein Defizit bzw. Minus von ca. 1,54 Milliarden Euro bilanziert.
procontra

2. Eigenanteile & Pflegeheimkosten

Diese Kosten betreffen Pflegebedürftige, wenn sie stationär (im Heim) versorgt werden:

Im ersten Jahr im Pflegeheim beträgt der durchschnittliche Eigenanteil aktuell etwa 2.871 Euro pro Monat (alle Kosten, die nicht von der Pflegeversicherung gedeckt sind)
vdek
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FAMILIARA
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Im zweiten Jahr sinkt dieser, bleibt aber mit ca. 2.620-2.660 Euro pro Monat noch auf hohem Niveau.
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Im dritten Jahr liegt der Eigenanteil im Schnitt bei etwa 2.284 Euro monatlich, im vierten Jahr etwa 1.865 Euro monatlich.
BILD
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Die Kosten (Gesamtkosten: Pflege, Betreuung, Unterkunft, Verpflegung, Investitionen) stiegen stark: Für stationäre Pflege inklusive aller Komponenten sind Kosten von über 3.123 Euro pro Monat erreicht worden.
Versicherungsbote

3. Entwicklung der Pflegebedürftigen und Ausgaben

Die Zahl der Leistungsbeziehenden in der gesetzlichen Pflegeversicherung hat sich stark erhöht: 2016 waren es knapp 2,75 Millionen; Ende 2024 sind es ca. 5,6 Millionen.
AOK

Die Ausgaben sind ebenfalls stark gestiegen: von rund 31 Milliarden Euro (2016) auf 68,2 Milliarden Euro (2024).
AOK

4. Finanzierung der Pflegeversicherung: Beitragssätze, Defizite & Prognosen

Seit dem 1. Januar 2025 beträgt der Beitragssatz 3,6 % des Bruttoeinkommens für gesetzlich Versicherte, bei Kinderlosen 4,2 % (der Kinderlosenzuschlag liegt bei 0,6 Prozentpunkten).
BMG

Prognosen warnen vor einer Finanzlücke in der Pflegeversicherung: Laut Bundesrechnungshof liegt die erwartete Finanzierungslücke 2029 schon bei etwa 12,3 Milliarden Euro. Für 2026 wird ein Defizit von ca. 3,5 Milliarden Euro geschätzt.
ZDFheute
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Das Defizit 2024 betrug schon ≈ 1,5 Milliarden Euro.
procontra
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5. Reformvorschläge & mögliche Lösungen

(auf Basis der Faktenlage – keine schönen Versprechungen, sondern lohnenswerte Ansatzpunkte)

Beitragserhöhung oder Zuschüsse durch den Staat: Damit die Lücke geschlossen wird.

Deckelung oder Teil-Übernahme der Eigenanteile: Insbesondere bei Pflegeheimkosten – etwa durch Ausbau der staatlichen Förderung oder Begrenzung der Belastung für Bewohner.

Mehr Transparenz & Regulierung der Heimentgelte: Damit klar wird, welche Kosten gerechtfertigt sind und wo Einsparpotenziale bestehen.

Förderung der ambulanten Pflege & Pflege in häuslicher Umgebung, da diese in vielen Fällen kostengünstiger ist und auch Wünsche von Pflegebedürftigen besser berücksichtigt.

Investitionen in Pflegekräfte / bessere Arbeitsbedingungen, denn höhere Löhne und bessere Ausstattung sind nötig, treiben aber auch die Kosten.

6. Was Sie tun können

Prüfen Sie frühzeitig, wie hoch ein Heimplatz in Ihrer Region kostet. Es gibt große regionale Unterschiede.

Prüfen Sie, ob ein häusliches Pflegearrangement mit ambulanten Diensten in Frage kommt – oft ist das finanziell bzw. emotional etwas entlastender.

Informieren Sie sich über gesetzliche Zuschüsse – etwa Pflegegeld, Pflegehilfe, Wohnumfeldanpassungen etc.

Bei finanzieller Not: prüfen, ob Leistungen der Sozialhilfe („Hilfe zur Pflege“) beantragt werden können.

7. Fazit

Die Fakten zeigen: Die Pflegeversicherung steht unter wachsendem finanziellem Druck. Kosten und Eigenanteile steigen, die Anzahl der Pflegebedürftigen wächst, und ohne Eingreifen droht eine Finanzlücke, die sowohl Pflegebedürftige als auch Pflegende stark belasten wird. Reformen sind nicht nur wünschenswert – sie sind dringend notwendig.

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